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Seit über zehn Jahren gibt es GEDENKDIENST in Österreich,
seit über fünf Jahren arbeiten junge österreichische Auslandszivildiener in
Buenos Aires gegen das Vergessen und für die Anerkennung der erlittenen
Unrechts von Überlebenden des Holocausts.
Was ist der GEDENKDIENST?
Der gleichnamige Verein, der hauptsächlich von jungen
Leuten geleitet wird und nun schon bereits im Jahre 2002 sein zehnjähriges
Bestehen gefeiert hatte, widmet sich vor allem der Aufklärungsarbeit und
Bewusstseinsbildung über die Auswirkungen des Nationalsozialismus in
Österreich und im Ausland und bekennt sich zur Mitverantwortung von
Österreichern am Holocaust. Die vom Verein entsandten Zivildiener und
Freiwilligen sind eine tatkräftige Unterstützung für internationale
Holocaustgedenkstätten durch qualifizierte, einsatzfreudige junge Menschen,
die ihr Bekenntnis zu einem Österreich, das seine Vergangenheit nicht
verdrängt, sehr ernst nehmen. Darüber hinaus hat sich GEDENKDIENST zum Ziel
gesetzt, an der Entstehung einer offenen Gesprächs- und Gedächtniskultur für
das Andenken an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in
Österreich mitzuwirken. GEDENKDIENST wurde im September 1992 gegründet. Die
Affäre um den ehemaligen österreichischen Bundespräsidenten Dr. Kurt
Waldheim und die Diskussion rund um das "Gedenk- und Bedenkjahr 1988" haben
in der österreichischen Öffentlichkeit zu einer intensiven
Auseinandersetzung um die Rolle Österreichs während der Zeit des
Nationalsozialismus geführt und Initiativen wie GEDENKDIENST überhaupt erst
ermöglicht.
Warum GEDENKDIENST in Buenos Aires?
Für die Meisten ist es überraschend, aber in Argentinien
lebt eine der größten jüdischen Populationen außerhalb des Staates Israel
und den USA. Somit leben hier auch sehr viele Emigrantinnen und Emigranten
aus der Zeit des Nationalsozialismus in Europa. Neben einer großen jüdischen
Bevölkerung aus Osteuropa gibt es hier auch viele Emigranten aus Deutschland
und einige hundert aus Österreich mit ihren Familien und Nachkommen. Diese
Tatsachen bieten natürlich für das Projekt GEDENKDIENST eine interessante
Perspektive und Herausforderung. Deshalb gibt es auch eine Einsatzstelle des
Vereins in Buenos Aires.
Wo arbeitet GEDENKDIENST in Argentinien?
Seit nunmehr über fünf Jahren arbeiten an der "Fundación
Memoria del Holocausto 2 "
jeweils zwei Auslandszivildiener3
vom GEDENKDIENST. Diese Einrichtung beschäftigt sich mit der Aufklärung über
den Holocaust in der argentinischen Gesellschaft und fördert
wissenschaftliche Arbeit zu diesem Thema. Sie betreibt ein Archiv sowie ein
kleines Museum, welche sich jedoch immer noch in der Aufbauphase befinden.
Auch gibt es eine Kooperation mit karitativen Einrichtungen, die
Überlebenden des Holocausts mit verschiedenen Dingen behilflich sind, und
diesen Personen auch soziale Hilfe zukommen lassen (wie z.B. TZEDAKÁ4 ).
Was tun wir "chicos austríacos 5 "
eigentlich
in Argentinien?
Die Arbeit von uns GEDENKDIENST leistenden hier ist immer
abwechslungsreich und vielfältig. Die wichtigste Aufgabe ist es, Kontakt zu
österreichischen Überlebenden de Holocausts herzustellen, und aufrecht zu
halten. Diese Aufgabe wird von uns sehr weit ausgelegt und reicht von
privaten Besuchen bis hin zu verschiedenen Hilfestellungen und zu
historischen Projekten. Das Echo der Emigranten ist eigentlich immer äußerst
positiv, jedenfalls hatten wir bis jetzt keinerlei negative Eindrücke. Im
Gegenteil, bei verschiedensten Gelegenheiten hören wir oftmals bewegte und
interessante Lebengeschichten. Oft entwickeln sich auch Freundschaften und
engere Beziehungen, da wir mit einigen Leuten sehr häufige Kontakte pflegen,
die weitaus mehr sind als eine gewöhnliche Arbeitsbeziehung. Sehr viel Zeit
verbringen wir auch damit, vor allem österreichischen Überlebenden des
Holocausts und natürlich auch solchen anderer Herkunft in verschiedensten
Angelegenheiten zu helfen. Dies beinhaltet die Antragstellung an
österreichische Entschädigungsfonds, wie es der Nationalfonds 6 ,
der Versöhnungsfonds7
oder die Claims Conference8
in New York sind. Außerdem helfen wir mit Kontakten zu österreichischen und
auch deutschen Behörden und Pensionsversicherungsanstalten. Unsere
internationalen Kontakte ermöglichen uns dabei oft besser an Informationen
zu kommen und diese weiterzugeben.
Seit drei Jahren existiert auch auf Initiative unseres
Vorgängers, des Historikers Dr. Oliver Kühschelm, ein Interviewprojekt, in
Zusammenarbeit mit dem DÖW 9
(Dokumentationszentrum des Österreichischen Widerstandes), an dem auch
Gedenkdienstleistende in Argentinien arbeiten. Dieses Projekt hat die
Aufgabe die Geschichte der österreichisch-jüdischen Emigration in die
sogenannten "La Plata Staaten10 "
zu dokumentieren. In diesem Zusammenhang wurden schon zahlreiche
lebensgeschichtliche Interviews geführt, die in Zukunft eine wertvolles
Zeugnis und Arbeitsgrundalge für Historiker sein werden.
Die zuvor erwähnten Tätigkeiten werden im Rahmen der "Fundación
Memoria del Holocausto" entfaltet, wo wir, als die "chicos austríacos",
unser Büro haben und für die wir auch die verschiedensten Arbeiten
erledigen. Durch unseren regen Kontakt zu Emigranten sind wir in der Lage
auch ein Register von in Argentinien lebenden sogenannten "sobrevivientes 11 "
zu erstellen und deren Zeugnisse zu sammeln und zu archivieren. Der Name
dieses permanenten Projektes ist: "Del número al nombre", von der
Nummer zum Namen. Auch helfen wir bei der Einrichtung eines Zeitungsarchivs
in der Bibliothek der Fundación und bei der Archivierung von
gestifteten Gegenständen und Dokumenten. Dabei ist es oftmals von Vorteil,
dass wir nicht nur Deutsch sondern auch andere Sprachen beherrschen.
1 http://www.gedenkdienst.at/
2 http://www.fmh.org.ar/
3 Dies im Rahmen eines sogenannten Zivilersatzdienstes,
welcher einen großen Anteil an Eigenverantwortung erfordert.
4 http://www.tzedakaonline.org, http://www.tzedaka.org
5 Österreichische "Burschen"
6 http://www.nationalsfonds.org
7 http://www.versoehnungsfonds.at/
8 Organisation, welche Holocaust Entschädigungsgelder und
Fonds besonders aus Deutschland aber auch aus anderen Staaten (wie
Österreich) verwaltet und verteilt. http://www.claimscon.org/
9 http://www.doew.at/
10 Das sind: Argentinien, Paraguay und Uruguay
11 Überlebende n
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