Am Donnerstag den 20. Juli versammelten sich etwa 100
Personen unter Polizeischutz – im Gegensatz zu „antizyonistischen" Kundgebungen
können sich proisraelische Veranstalter nicht auf die „Friedfertigkeit" und
„Dialogbereitschaft" ihrer politischen Widerparts verlassen – zu einer
Solidaritätskundgebung für Israel. Damals war der Krieg noch in vollem Gange und
sein Ausgang, wie die zu erwartende Nachkriegssituation bestenfalls Gegenstand
von guten Wünschen oder Spekulationen. Dementsprechend angespannt und
erwartungsvoll war auch die Stimmung unter den Teilnehmern.
Die Redebeiträge von Stephan Grigat und Simone Diah Hartmann,
Café Critique, Ariel Muzicant, und seiner Exzellenz Dan Ashbel, dem israelischen
Botschafter in Österreich, unterstrichen, dass Israel lediglich sein Recht auf
Selbstverteidigung ausübe, nachdem die Hammas im Gazastreifen und die Hizb’Allah
im Südlibanon nicht nur Israel das Existenzrecht aberkannten, sondern vor allem
diesen Konflikt durch bewusste Eskalation angefangen haben. Schließlich beginnt
die Geschichte der gewaltsamen Eskalation nicht erst mit der Entführung der fünf
israelischen Soldaten im Juli, sondern mit der Intensivierung des
Raketenbeschuss Israels aus dem Gazastreifen seit November des vergangenen
Jahres. Insofern galt und gilt es für Israel – wie Stefan Grigat betonte – den
Primat der Politik nicht der geschürten Gewalt unterzuordnen und sich durch die
militärische Entgegnung politischen Handlungsspielraum zu sichern. Sowohl Ariel
Muzicant als auch Dan Ashbel erinnerten die sich in heftiger Kritik an Israels
übenden Europäer daran, dass der Hass radikaler Islamisten auf die
funktionierenden Demokratien mit ihren offenen, wohlhabenden und emanzipierten
Gesellschaften nicht an Israels Tür haltmachen wird. Israel kämpft
stellvertretend für die westliche Zivilisation um sein Existenzrecht. Ein
Appeasementprozess und einseitige Zugeständnisse, wie er von vielen europäischen
Politikern und Intellektuellen gefordert – und zum Teil auch praktizier wird,
wäre an dieser Stelle lediglich als Selbstaufgabe zu werten. Israels Ziel
„einfach mit seinen Nachbarn in Frieden zu leben" (Ashbel) ist unter den im
Nahen Osten gegeben Umständen nicht umsetzbar.
Die Veranstaltung schloss stimmungsvoll mit dem Absingen der Hatikva ab.